Twick.it: Ein Pionierprojekt für das Zeitalter der kognitiven Revolution

Was passiert, wenn man Twitter mit Wikipedia kreuzt? Man erhält eine „Erklärmaschine“, die ihrer Zeit um 15 Jahre voraus war.

Im Jahr 2009 gründete ich gemeinsam mit Markus Möller die Erklärmaschine Twick.it. Unsere Vision: Die Usability von Twitter mit der enzyklopädischen Struktur von Wikipedia zu vereinen. Was als innovative Wissensplattform startete, liest sich heute wie eine Blaupause für die kognitive Revolution der KI und die moderne digitale Transformation.

1. Die Destillation von Wissen

Heute bitten wir ChatGPT: „Fasse mir das in zwei Sätzen zusammen.“ Bei Twick.it war diese „Wissensextraktion“ das Kernprinzip. Wir begeisterten die Community, die Essenz eines Begriffs zu definieren – und die Erklärmaschine verknüpfte die einzelnen Wissensbausteine durch automatische semantische Verschlagwortung miteinander.

Impact: In einer überladenen Informationswelt ist Prägnanz die höchste Form der Präzision. Dieses Prinzip leitet bis heute meine Kommunikationsstrategien.

2. RLHF – Reinforcement Learning from Human Feedback

Das Herzstück von Twick.it war das Ranking: Die Nutzer wählten per Voting die beste Erklärung auf Platz 1. Technisch gesehen war das ein Vorläufer des heutigen RLHF, dem Verfahren, mit dem KI-Modelle wie GPT-4 trainiert werden, um menschliche Präferenzen zu verstehen.

Impact: Wir haben Systeme gebaut, die Qualität durch Community-Kuratierung skalierten. Heute nutze ich dieses Verständnis, um Mensch-Maschine-Kollaborationen in Unternehmen strategisch aufzusetzen.

3. Semantische Intelligenz & Wissens-Graphen

Lange bevor „Knowledge Graphs“ zum Standard wurden, entwickelte Twick.it einen automatisierten Wissensbaum. Durch die semantische Analyse konnten wir verwandte Themen erfassen und kontextsensitive Verbindungen herstellen.

Leadership: Ich habe gelernt, wie man strukturierte Daten nutzt, um nicht nur Informationen zu horten, sondern echte Orientierung in komplexen Datenräumen zu schaffen.

4. Ubiquität: Wissen dort, wo der Nutzer ist (API-First)

Im Gegensatz zum geschlossenen Ansatz klassischer Lexika war Twick.it auf Mashups ausgelegt. Über Tooltips, Widgets und eine offene API brachten wir die Definitionen dorthin, wo sie gebraucht wurden: in Blogs, auf E-Reader oder in Fachportale.

Impact: Dies war mein Masterpiece in Sachen User Experience: Den „Bounce“ zu Google verhindern, indem man dem Nutzer den Mehrwert direkt im Kontext bietet.

5. Hyperlokalität & Community-Engagement

Ein persönlicher Höhepunkt war der Erklär-Wettbewerb zum NRW-Tag. Wir aktivierten Bürger, ihre Stadt zu erklären, und präsentierten die Ergebnisse auf Großleinwänden vor 400.000 Besuchern – inklusive einer persönlichen Präsentation für die Ministerpräsidentin.Leadership: Beweis für meine Fähigkeit, komplexe Stakeholder-Interessen (Politik, Öffentlichkeit, Bürger) zu moderieren und Technologie emotional erlebbar zu machen.

Globale Anerkennung & Auszeichnungen

Twick.it war kein bloßes „Hobby“, sondern ein technologisch ernstzunehmender Herausforderer, der sich international behaupten konnte:

  • Wikitude Worldcup Winner: Wir wurden „Augmented-Reality-Weltmeister“ und setzten uns im Bereich „Social“ gegen etablierte US-Dienste wie Gowalla durch.
  • Deutscher Social-Media-Preis 2010: Auszeichnung für den gesellschaftlichen Wert der Plattform.
  • Barrierefreiheit: In Kooperation mit Wikimedia Deutschland realisierten wir einen Audio-Podcast, um Wissen auch für Menschen mit Sehbehinderung zugänglich zu machen.


Meine Lektion im Change Management

Twick.it wurde 2012 eingestellt, da die kulturelle Akzeptanz für dieses Maß an digitaler Verdichtung noch nicht so weit war wie die Technologie selbst. Für mich als Gestalter der digitalen Transformation war dies die wichtigste Lehre:

Transformation braucht nicht nur brillante Technologie, sondern ein Narrativ, das die Menschen im richtigen Moment abholt.

Heute nutze ich die Erfahrungen aus der „Erklärmaschine“, um Change-Prozesse nicht nur technisch zu planen, sondern sie als Heldengeschichten der Veränderung so zu erzählen, dass die Menschen bereit sind, den Weg mitzugehen. Twick.it hat mich gelehrt, dass man die Zukunft nicht nur bauen, sondern sie den Menschen auch erklären muss.

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Bild von Agilero

„Die Digitalisierung ist erst der Anfang.“ AGILERO orchestriert den Wandel an der Schnittstelle von Technologie, Strategie und Kreativität. Ich begleite Unternehmen dabei, neue Welten zu erschaffen, statt sich nur an bestehende Werkzeuge anzupassen.

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