Das Grollen über dem Amboss // Bericht über den Auftakt des Großen Lorenrennens

„Wie der Hammer auf den glühenden Stahl niederfährt, so trifft uns bisweilen das Schicksal – unerbittlich und formgebend.

Wie sicher wähnten wir uns beim Feilen an der ehernen Satzung des Lorenrennens, doch der Fels hat seine eigenen Gesetze.“ So beginnt der Bericht von Norgram Sohn des Norwalosch, Geweihter des Großen Schmieds, an Seine Majestät Hochkönig Albrax Sohn des Agam.

[Prägt Euch diese Worte ein, Ihr Glücksritter und Tunnelstürmer, die Ihr selbst den Mut – oder den Wahnsinn – aufbringt, eine Fahrt im stählernen Gebiss der Drachterbahn zu wagen! Schweigt und lernt, was es heißt, wenn das Erz das Urteil spricht.]

Hört meinen Bericht, Rogmarok, mein König.

Eure Befürchtungen, so weise wie das Alter des Berges selbst, haben sich auf bittere Weise bewahrheitet. Trotz der feierlichen Verkündung der Ehernen Satzung des Lorenrennens – jenem Fundament, auf dem wir den Drachterbahnsport für alle Zeiten zu Ehren Angroschs begründen wollten – flossen erneut Blut und Tränen unter den Angroschim des Amboss. Zwei Seelen kehrten vorzeitig in Väterchens Hallen zurück.

Doch lasst mich am Anfang beginnen, dort, wo das Licht der Hoffnung noch heller brannte als das Schmelzfeuer. Schon in der Vorrunde geschah das Unmögliche: Einem Gespann von Abenteurern aus Albenhus gelang es, jenen gähnenden Abgrund zu bezwingen, den wir ehrfürchtig „Angrimoschs Schlund“ nennen. Ohne die Hilfsmittel der Ätherodynamik, allein durch zwergischen Kampfesmut, stählerne Entschlossenheit und eine Körperbeherrschung, die selbst einen Höhlendrachen beschämt hätte, sprangen sie über das Nichts. Die Kor-Knaben, Eurer Majestät treu ergeben, waren ob dieses Wagemuts so tief beeindruckt, dass ein Raunen durch die Reihen ging, das noch im Finale sein Echo finden sollte.

Der Donnersturm antwortet!

Ich selbst beaufsichtigte die Aufstellung der Loren auf der Startrampe. Jede einzelne war am Vorabend von mir – wie von euch befohlen – unter Anrufung des Ewigen Bundes gesegnet worden. Dann läutete ich die Glocke zum Oktradosch [Rogolan: Startgeläut].

Der Schall war kein gewöhnlicher Klang. Das Echo, das vom Ambossgebirge zurückgeworfen wurde, erschütterte das Mark. Selbst in Malmarzrom habe ich selten eine solche Resonanz des Erzenen empfunden. Es war, als würde Alverans Feste selbst grollen – als hätte der göttliche Donnersturm-Wagen unsere Gebete vernommen! Jubel brandete unter den Angroschim auf, ein Donnern aus hundert Kehlen, während die Loren anrollten. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse.

Unfall beim Großen Lorenrennen
Das tragische Ende der Eisenherz!

Ein formidabler Fehlstart

Die „Hammerhart II“ aus Hammerschlag und die Abenteurer aus Albenhus lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das die Funken fliegen ließ. Doch das Gespann „Eisenherz“, gelenkt von Quiram vom Großen Fluss – einem Mann, der im Hippodrom der Menschen Siege wie Kiesel sammelte –, blieb fast stehen. Sein Beifahrer Morabrax Sohn des Moraborom schrie ihn mit Flüchen an, die selbst einen Troll zum Erröten gebracht hätten. Mühelos wurden sie von Leowins „Sturmtanz“ überholt. Ich dachte noch: Möge Angrosch jenen strafen, der den heiligen Namen der Sturmgöttin Rondra entehrt, welche den Donnersturm als erste gefahren! Doch der Zorn des Erzes traf nicht den Scharlatan Leowin, sondern die stolzen Eisenhuetter.

Auf Höhenflug wie einst Ikaros

Noch vor der ersten Bogenweiche beschleunigte Quiram auf eine Geschwindigkeit, die jenseits aller Vernunft lag. Einer Furie gleich raste er der „Sturmtanz“ hinterher. Doch als ich sein Gesicht durch mein Glas sah, erblickte ich blanke FURCHT. Es war nicht nur die Höhenangst eines Talbewohners; es war die Panik eines Totgeweihten. Wie jener sagenumwobene Ikaros, Sohn des Dadalus, der selbsternannte Drachenreiter, der in seiner Hybris der Sonne zu nah kam und vom Drachenodem der Sphären versengt wurde –, so verlor die Eisenherz jeglichen Halt und Bodenhaftung.

Des Fluch-Ankers Fluch

Es waren nicht die von hinten nachrückenden Kor-Knaben mit ihrem Artefakt, dem „Entgleiser“. Es war schieres Unvermögen. Ein Fluch des Schicksals, eine dreifache Zwanzig, wie wir unter Geweihten sagen, wenn das Unheil unvermeidbar wird. Morabrax ließ in seiner Hektik den Flug-Anker fallen. Anstatt ihn auf die „Sturmtanz“ zu schleudern, wurde der schwere Magnet vom eigenen Bug angezogen, der Anker an der Kette wurde aus der Lore geschleudert, und verhakte sich mit der Wucht des Zorns in den Querstreben des Gleises…

Die „Eisenherz“ bäumte sich auf wie ein getroffenes Tier. Gleichzeitig von den widerstreitenden elementaren Kräften der Flieh- und der Inerzial-Kraft gepackt, sprang die Lore regelrecht aus der Weiche, vollführte eine tödliche Luftrolle – jenen Salto Mortale, den die Schwarzmagier so treffend benennen – und stürzte seitlich über die Rampe.

Die unausweichliche Inerzialkraft: Ardus Ausführungen zur Ätherodynamik

Die Gefahr der Vorsicht

Hier nun rächte sich die vermeintliche Vorsicht: Nach dem spektakulären Unglück der „Drachentod!“ in der Vorrunde, welches Grimmbart Sohn des Grummbart und seine Beifahrerin Donna di Tarsis nur dank lederner Gurte überlebten, war Quiram ihrem Beispiel gefolgt. Er hatte sich festgeschnallt. Ein Instrument der Sicherheit, das ihm zum Kerker wurde! Während Morabrax aus der Lore geschleudert wurde und schwer auf der Rampe aufschlug, stürzte die „Eisenherz“ kopfüber in die Tiefe und begrub Quiram lebendig unter ihrem tonnenschweren Leib.

Spektakulärer Unfall mit einer Lore in einer Mine
Karambolosch! [Rogolan: "Durch den Berg" sinngemäß: "Bahn frei"]

KARAMBOLOSCH!

Morabrax, der Erbe Eisenhuetts, klammerte sich mit gebrochenem Rückgrat an das rettende Gleis. „Aaaargh!“ Sein Schrei zerriss die Luft. „KARAMBOLOSCH!“, brüllten die Kor-Knaben. „KARAMBOLOSCH!“, hallte es von der Tribüne. Doch es war zu spät. Die „Donnertrutz“, gelenkt von Albrix, Sohn des Albrox, schoss heran. Es blieb keine Zeit für ein Bremsmanöver. Wie eine Richtaxt trennten die Räder der heranjagenden Lore Morabrax beide Arme ab. Der Unglückselige stürzte, der Inerzialkraft folgend, in die Tiefe und zerschellte auf dem Fels.

Ein Scharlatan ohne Ehre

Diesen Moment des Entsetzens nutzte Leowin, der Gesandte des Handelshauses Stoerrebrandt. Mit dem Ruf „Den Donnersturm zu Ehren!“ zog er seine Klinge und reckte sie gen Himmel. Sein Beifahrer hämmerte gegen die Lore, als hätten sie die Götter selbst zum Sieg gerufen. Das verblendete Volk, hungrig nach Helden, skandierte seinen Namen, während die „Sturmtanz“ in einem übernatürlichen, adamantenem Glanz in die Kurve schoss. Diese Narren hielten ihn für einen Günstling der Götter. Doch wir wissen es besser, Majestät. Hinter diesem Glanz steckte keineswegs der Segen Angroschs, sondern das Gold Stoerrebrandts, das Adamantium-Artefakt und dunkle Machenschaften.

Ich werde weiter berichten, wie das Finale des Großen Lorenrennens entschieden wurde – uns ich muss Euch leider weitere schreckliche Ereignisse ankünden. Entgegen Eurer ehernen Satzung kam Hexerei zum Einsatz! Möge der Fels uns halten.

In tiefer Demut und Treue,
Norgram, Sohn des Norwalosch

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