Der Zorn des Erzes // Bericht über das Finale des Großen Lorenrennens

„Das Erz ist geduldig, es formt sich unter dem Hammer. Doch wehe dem, der es mit Lug und Trug zu biegen versucht – er wird zerbrechen wie sprödes Gestein.“

Hört meinen abschließenden Bericht, Rogmarok!

Nach dem tragischen Auftakt des Großen Lorenrennens, der zwei Seelen in Väterchens Hallen forderte, schien das Rennen in der zweiten Runde Atem zu holen. Die Kontrahenten fuhren mit jener stoischen Ruhe, die uns Zwergen zu eigen ist, als sparten sie ihre Kraft für den letzten, entscheidenden Schlag. Was dann in der finalen Runde folgte, Majestät, war selbst für den Magen eines erfahrenen Drachenkämpfers kaum zu verdauen. Die Masken fielen, und die finstere Fratze der Hexerei zeigte sich im kalten Herzen des Berges.

Unfall beim Großen Lorenrennen
Erinnerung an das tragische Ende der Eisenherz aus Eisenhuett

Der Angriff der Kor-Knaben

Eure treu ergebenen Kor-Knaben, beseelt vom Geist des Kampfes, legten einen Start hin, der die Schienen erzittern ließ. Noch auf der Rampe, entgegen meiner ausdrücklichen Empfehlung in der Ehernen Satzung, rammten sie das Gespann des Hochstaplers Leowin aus Ragath. Der Scharlatan, dessen Lore „Sturmtanz“ von einem magischen Adamantium-Artefakt geschützt wurde, konnte der Wucht des Aufpralls widerstehen. Doch die rohe Gewalt der Karambolage hatte ihn entscheidend verlangsamt. Währenddessen schoss die „Hammerhart II“, gelenkt von Angroschima, der neunfachen Siegerin und Stolz von Hammerschlag, wie ein entfesselter Steinbock als Erste in die Bergeinfahrt. Dicht auf den Fersen: das Gespann der unbekannten Abenteurer aus Albenhus.

Kein Licht am Ende des Tunnels

Angroschima, die jeden Kiesel der Strecke beim Namen kennt, wählte kühn die Abkürzung durch den unbelichteten Tunnel. Ein Weg für Meister, doch diesmal erwartete sie dort keine natürliche Dunkelheit, sondern finstere Zauberei. Eine Hexe aus Leowins Gefolge, durch Magie als unscheinbare Gestalt getarnt, hatte sich im Tunnel verborgen. Als Angroschima heranraste, warf das Weib einen Fluch auf die Heldin Hammerschlags. Von einem Augenblick auf den nächsten wurde die beste Fahrerin des Amboss mit Blindheit geschlagen!

Achtung: Geisterfahrer!

Nur Angroschimas unglaublicher Fahrkunst – einem Instinkt, der tiefer sitzt als das Augenlicht – ist es zu verdanken, dass die „Hammerhart II“ an der Bogenweiche nach der Tunnelausfahrt nicht zerschellte. Blindlings gelang es ihr, das tonnenschwere Gefährt zu einem kontrollierten Halt zu bringen. Die Abenteurer aus Albenhus, die ebenfalls den Tunnel gewählt hatten, bewiesen Geistesgegenwart. Sie bremsten hart, um eine katastrophale Karambolage zu vermeiden. Stoßstange an Stoßstange schoben sie sich bis zur nächsten Biege, derweil die dreisten Menschen ungebührlich versuchten, die Lore zu übernehmen. Nur der eisenharte Widerstand der Schmiedin Ugilne, Angroschimas Beifahrerin, konnte diese Schmach verhindern.

Doch das Unheil war noch nicht gebannt. Von hinten schoss die „Sturmtanz“ mit hohem Tempo heran. Leowin, der falsche Erbe Leomars, hatte offensichtlich vor, die Verunglückten zu rammen und so den Sieg zu erzwingen. Doch nun wendete sich der Zorn des Erzes gegen den Frevler! Mit einem Manöver, das in die Annalen eingehen wird, brachte Albrix, Sohn des Albrox, seine „Donnertrutz“ auf gleiche Höhe mit der „Sturmtanz“.

Leomars Erbe entgleist

Sein Beifahrer Drago, Sohn des Dregar, ein Zwerg von der Statur eines Amboss, nutzte die Stoßstange – welche sie listig als ihr Artefakt „Entgleiser“ deklariert hatten – und rammte sie mit der Präzision eines Meißels zwischen die Räder der feindlichen Lore. Es war, als hätte ein Erdbeben den Berg gepackt. Die „Sturmtanz“ wurde aus den Gleisen gehoben und mit der Wucht eines Hammerschlags gegen den Fels geschmettert. So fand der Hochstapler, der sich fälschlicherweise als Erbe Leomars ausgegeben und damit den heiligen Namen der Rondra entweiht hatte, ein jähes und gerechtes Ende.

Illustration eines Lorenrennens: Die vorausfahrende Lore wird gerammt und aus dem Gleis geschleudert
Der Fels duldet keinen Hochmut: Der vermeintliche Erbe Leomars entgleist

Springe nie gegen den Wind

Wie im Rausch setzten die Kor-Knaben nun alles auf eine Karte. Drago, seines „Entgleisers“ beraubt, versuchte einen todesmutigen Sprung auf die Lore der Albenhuser. Doch der Mut war größer als die Sprungkraft – er hatte die Rechnung ohne die unberechenbaren Kräfte der Ätherodynamik gemacht. Vom Gegenwind erfasst verfehlte er die Lore und landete krachend auf dem Gleis. Ohne Beifahrer fehlte der „Donnertrutz“ die nötige Masse für die Maximalgeschwindigkeit. Das Gespann aus Albenhus fuhr nun vermeintlich einem ungefährdeten Sieg entgegen.

Illustration zum Großen Lorenrennen: Ein Kor-Knabe versucht während der Fahrt auf die Lore der Helden zu springen.
Ein Kor-Knabe kennt keine Angst: Drago Sohn des Dregar in Aktion

Waghalsiger Sprung über Angrimoschs Schlund!

Doch so leicht gibt ein Kor-Knabe sich nicht geschlagen! Allein in seiner Lore setzte Albrix, Sohn des Albrox zum Sprung über Angrimoschs Schlund an. Und bei Väterchen Angroschs Bart, er vollbrachte diese Wahnsinnstat! Unter dem donnernden Jubel der Angroschim fuhr er mit der „Donnertrutz“, deren schwarz eloxierter Murolosch-Stahl im Fackellicht glänzte, nur wenige Schritt hinter den Siegern über die Ziellinie! Mit diesem furiosen Finale bot das Große Lorenrennen von Hammerschlag fürwahr eine würdige Hommage an den heiligen Donnersturm, den unsere Vorfahren für die Sturmgöttin gefertigt haben!

KI-generierte Illustration für Das Schwarze Auge: Zieleinfahrt der Helden beim Großen Lorenrennen
Das Finale des Großen Lorenrennens: Würdige Hommage an den legendären Donnersturm

Lehren für die Eherne Satzung

Wie bereits angekündigt, Majestät, obliegt es nun Eurer Weisheit, die Eherne Satzung des Lorenrennens anzupassen:

  • Der Bann der Hexerei hat sich als lebensnotwendig erwiesen, doch es wurde gebrochen. Sollten wir über antimagische Vorkehrungen entlang der Strecke nachdenken?
  • Der Einsatz von Artefakten hat den Unterhaltungswert zweifellos erhöht, ermöglicht es aber auch nicht-zwergischen Fahrern, mit unserem Volk mitzuhalten. Eine strengere Limitierung auf rein mechanische Hilfsmittel wäre zu prüfen.
  • Die Verwendung von Sitzgurten bleibt eine zweischneidige Axt. Sie können Leben retten, wie wir sahen, aber sie berauben einen Fahrer auch seiner Freiheit und können zur tödlichen Falle werden. Eine klare Reglementierung tut not.

 

Möge Angrosch Euch die richtige Erkenntnis schenken, um den Drachterbahnsport rein und ehrenhaft zu halten.

In ewiger Treue,
Norgram, Sohn des Norwalosch

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