Jedes Unternehmen muss sich an den digitalen Wandel anpassen, um im Wettbewerb mithalten zu können. Doch Unternehmen sind nur begrenzt fähig, sich kontinuierlich anzupassen und auch die fleißigsten Mitarbeiter können nicht immer schneller auf neue Anforderungen reagieren. Die moderne Arbeitswelt braucht also Strukturen, die zugleich stabil als auch flexibel sind. Hier kommen agile Projektmanagementmethoden wie Scrum ins Spiel. Sie fördern die besondere menschliche Fähigkeit zu sozialer Kooperation. Somit begünstigen agile Arbeitsweisen die Soziale Transformation.
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Dieser Text entstand 2019. Er war der Grundstein für AGILERO. Heute, sieben Jahre später, ist er aktueller denn je – doch der Kontext hat sich durch die Künstliche Intelligenz radikal verschoben. Ich habe meine damaligen Gedanken mit dem Wissen von heute kommentiert.
Was ist die Soziale Transformation?
Soziale Transformation ist eine Wortneuschöpfung von AGILERO. In unserem Verständnis beinhaltet Soziale Transformation zwei Komponenten: Auf der einen Seite stehen die Errungenschaften der sozialen Kommunikationstechnologien (kurz Soziale Medien genannt); auf der anderen Seite die Anforderungen der Digitalen Transformation. Zur Erinnerung folgt ein kurzer Exkurs auf diese beiden fundamentalen Revolutionen, welche die Art wie wir miteinander reden und arbeiten für immer verändert haben.
Social Media: Jeder kommuniziert mit jedem
Die Social Media Revolution um die Jahrtausendwende war der erste Vorbote eines neuen Zeitalters. Jeder konnte nun mit jedem in Echtzeit kommunizieren. Diese Verfügbarkeit von Information entfachte ein nie dagewesenes Potential an sozialer Kooperation. Zunächst wurden Kommunikationskanäle wie Facebook, YouTube oder Twitter sowie Kommunikationsplattformen wie Wikis und Blogs vor allem privat genutzt. Bald schon erkannten Unternehmen jedoch ihr Potential nicht nur für das Marketing, sondern für die Transformation von Kommunikations- und Arbeitsprozessen im Unternehmen.
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Um die Jahrtausendwende feierten wir die schiere Verfügbarkeit von Information und die Vernetzung als Befreiungsschlag. Heute, im Zeitalter der generativen KI, hat sich die Herausforderung gedreht: Wir müssen nicht mehr die Vernetzung fördern, sondern die Authentizität dieser Vernetzung schützen. Die Soziale Transformation 2.0 bedeutet, die menschliche Stimme in einem Ozean aus synthetischem Content hörbar zu halten. Es geht nicht mehr um ‚Jeder kommuniziert mit jedem‘, sondern darum, dass Menschlichkeit die einzige Währung bleibt, die nicht inflationär durch Algorithmen entwertet werden kann.
Digitale Transformation: Alles kommuniziert mit allem

Mit der Digitalen Transformation ist nun eine neue Stufe und eine neue Qualität der Revolution erreicht: Jetzt kommunizieren neben den Menschen vor allem Maschinen, Computer und Algorithmen in Echtzeit miteinander. Und anders als der Mensch verfügen Maschinen über erstaunliche Fähigkeiten zur Verarbeitung massenhafter Informationen: Sie vergessen nichts! Und sie können aus der Datenflut Muster analysieren, mit denen sich das Verhalten von Menschen prognostizieren und somit vermarkten lässt. Das Start-Up Google war eines der ersten Unternehmen, die das erkannt haben – und zählte nur wenige Jahre später bereits zu den erfolgreichsten Global Playern der Welt.
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Der damalige Fokus lag auf der Prognosefähigkeit von Maschinen. Heute stehen wir vor dem Problem der Rekursion: Wenn Algorithmen nur noch auf Basis vergangener Daten (Interpolation) agieren, bauen sie einen ‚Käfig aus Code‘. Echte Transformation braucht heute den bewussten Bruch mit dem statistisch Wahrscheinlichen. Wir nutzen die KI als Werkzeug, aber wir überlassen ihr niemals die Sinnstiftung. Der Gestalter von heute ist derjenige, der die technologische Skalierung mit einer menschlichen Werte-Architektur unterlegt.
Agile Methoden ermöglichen Anpassung an den Wandel
Agile Projektmanagementmethoden versuchen, der dynamischen Welt der digitalen Transformation mit modernen Kommunikationsmitteln wie Kanban-Boards oder Jira gerecht zu werden. Kundenbedürfnisse und Marktanforderungen ändern sich in einem rasanten Tempo, bei dem streng hierarchisch organisierte Unternehmen kaum noch mithalten können. Also werden Methoden entwickelt, die es in Gruppen organisierten Mitarbeitern ermöglichen, auf die sich wandelnden Anforderungen zu reagieren. Eine dieser Methoden ist Scrum.
Von vornherein sollte dabei klar sein, dass es NICHT das Ziel ist, Menschen wie Maschinen arbeiten zu lassen. Im Gegenteil: Die größte Stärke von Menschen ist, dass sie sozial sind. Menschen arbeiten gerne in Gruppen zusammen. Besonders wenn sie eine gemeinsame Vision verbindet. Agile Methoden bieten Unternehmen eine Möglichkeit, dass die Mitarbeiter besser und vor allem motivierter zusammenarbeiten. Das verstehen wir bei AGILERO unter Soziale Transformation.
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Früher war Agilität eine Antwort auf starre Hierarchien. 2026 ist Agilität die Antwort auf die algorithmische Erstarrung. Agile arbeitende Teams sind heute die Schutzräume für das, was keine KI leisten kann: Extrapolation – das Schaffen von Neuem aus dem Unbekannten. Kooperation ist kein Selbstzweck mehr, sondern die operative Basis für menschliche Souveränität. Wir arbeiten nicht in Sprints, um schneller zu sein, sondern um als Menschen die Kontrolle über das Narrativ der Veränderung zu behalten.
Was hat Clay Shirky damit zu tun?
Um 2008 herum war ich ein echter Social Media Evangelist und habe 2009 mit Twick.it eine eigene Crowdsourcing-Plattform entwickelt, die viele Entwicklungen Künstlicher Intelligenz antizipiert hat. Eines der Bücher, die mich dabei inspiriert haben, war Here comes everybody von Clay Shirky. Der Medienprofessor erklärt darin im ersten Kapitel:
- Wenn wir die Art, wie wir kommunizieren verändern, verändern wir die Gesellschaft (und Unternehmen).
- Unternehmen stecken in einem Dilemma: Um die Arbeit von Individuen zu organisieren, müssen sie diese managen. Dies produziert Aufwand.
- Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten reduzieren diesen Aufwand. Und Sie verbessern unsere natürlichen menschlichen Eigenschaften Information zu teilen, uns zu koordinieren und gemeinsam zu handeln.
Teilen, kooperieren, gemeinsam handeln
Diese drei Verben sind für mich der Inbegriff von agilem Projektmanagement. Wir teilen uns mit und verbessern die Transparenz im Unternehmen, damit relevante Informationen für den Projektfortschritt jedem jederzeit zur Verfügung stehen. Wir arbeiten kooperativ und teamorientiert; jeder bringt seine Stärken zum Wohl der Gruppe ein und unterstützt den Projektfortschritt. Wir handeln nicht orientierungslos, sondern mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen. Wenn wir diese Werte verinnerlichen, führt das unweigerlich zu einem besseren Arbeitsklima und zu besseren Arbeitsergebnissen. Damit beginnt die Soziale Transformation.
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Wenn ich heute auf meine Definition der Sozialen Transformation von 2019 blicke, sehe ich ein stabiles Fundament, das durch die KI-Revolution eine neue Dringlichkeit erfahren hat. Das Ziel war nie, Menschen wie Maschinen arbeiten zu lassen – heute ist dieses Ziel unsere wichtigste Überlebensstrategie.
Wir dürfen die Gestaltung unserer Welt nicht vollständig an automatisierte Systeme delegieren. Transformation gelingt nur dann, wenn wir unsere menschliche Irrationalität, Kreativität und Vision als unser wertvollstes Gut verteidigen.



